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EXIST – Förderung von Startups aus der Wissenschaft in Deutschland

Deutschland ist seit langem ein führendes Land in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Innovation. Um diesen Ruf zu untermauern und sicherzustellen, dass das in den akademischen Mauern generierte Wissen in der realen Welt praktische Anwendungen findet, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ein einzigartiges Programm eingeführt: EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft.

Geschichte: Die Ursprünge des EXIST-Programms reichen bis ins Jahr 1998 zurück. Seit seiner Gründung hat es eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von Gründungsnetzwerken, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gespielt. Im Laufe der Jahre hat das BMWK unter dem Dach von “EXIST-Gründungskultur” mehrere Förderwettbewerbe ausgeschrieben, vor allem EXIST I – IV. Der aktuelle Wettbewerb, die so genannte EXIST-Potentials-Runde, unterstützt sage und schreibe 142 öffentliche und private Hochschulen. Darüber hinaus unterstützt die Initiative seit dem Jahr 2000 Hochschulabsolventen, Wissenschaftler und Studenten bei der Ausgestaltung ihrer Gründungsprojekte mit finanziellen Zuschüssen und unschätzbarem Know-how.

Ziele und Aufgaben

EXIST will die unternehmerische Landschaft an Universitäten und Forschungsinstituten verändern, indem es die Zahl der innovativen, wissensbasierten Startups erhöht. Es dient als Brücke, die die Bereiche der akademischen Forschung und des kommerziellen Unternehmertums verbindet.

Unter dem Banner von EXIST werden Studenten, Hochschulabsolventen und Wissenschaftler mit finanziellen Mitteln und gründungsbezogenem Know-how ausgestattet. Diese Unterstützung zielt darauf ab, den Übergang von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu marktreifen Lösungen zu fördern und so den Grundstein für die Unternehmensgründung und den Markteintritt zu legen. Es ist wichtig zu wissen, dass die Anträge für das Programm vor der offiziellen Gründung eines Unternehmens gestellt werden müssen.

Die Hauptfinanzierungslinien

Die EXIST-Initiative umfasst mehrere Finanzierungslinien:

  1. EXIST-Gründungskultur: Dies umfasst die Richtlinie EXIST-Potenziale. Vorrangiges Ziel ist es, die durch EXIST-Gründungskultur aufgebauten Gründungsnetzwerke durch themenspezifische Förderung weiterzuentwickeln, ihre Nachhaltigkeit zu sichern und neue Maßstäbe für die bundesweite Förderung von Existenzgründungen zu setzen.
  2. EXIST-Gründerstipendium: Dieser Zuschuss erleichtert die Erstellung eines Geschäftsplans für ein innovatives Startup-Projekt innerhalb eines Jahres, ohne finanzielles Risiko für das Gründerteam. Die finanziellen Bestimmungen sind besonders attraktiv. Studenten erhalten 1000 € pro Monat, technische Angestellte erhalten 2000 €, Hochschulabsolventen haben Anspruch auf 2500 € und Doktoranden erhalten 3000 €. Außerdem gibt es eine zusätzliche Kinderzulage von 150 € pro Monat und Kind. Darüber hinaus stehen Mittel für Coaching und Sachkosten zur Verfügung. Ein Team von drei Gründern kann zum Beispiel insgesamt bis zu 35.000 € erhalten.
  3. EXIST-Forschungstransfer: Seit Dezember 2008 können Forschungsteams, die risikoreiche und komplizierte Entwicklungen anstreben, den EXIST-Forschungstransfer in Anspruch nehmen. Dieser besteht aus zwei Phasen. In der ersten Phase werden die letzten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten vor der Gründung des Unternehmens an der Universität oder Forschungseinrichtung unterstützt. Nach einem erfolgreichen Start kann die zweite Phase das Startup subventionieren.
  4. EXIST-Frauen: Diese neue Richtlinie, die am 7. Juli 2023 eingeführt wurde, zielt darauf ab, mehr Frauen an Universitäten mit den Themen Unternehmertum und Selbstständigkeit vertraut zu machen. Sie hofft, Absolventinnen, Wissenschaftlerinnen, Studentinnen und andere Berufstätige, die mit der Universität zu tun haben, zu motivieren, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Richtlinie bietet neben finanzieller Unterstützung für angehende Unternehmerinnen auch Veranstaltungen, Beratungs- und Mentoringdienste an. Das ultimative Ziel? Die relativ geringe Anzahl von Gründerinnen zu erhöhen. Zum Vergleich: Von den rund 2500 Personen, die seit 2007 ein EXIST-Gründerstipendium erhalten haben, waren nur 13 % Frauen.

Projektmanagement und Beispiele

Das Projektmanagement für EXIST wird von Projektträger Jülich (PtJ) übernommen. Im Laufe der Jahre haben mehrere Start-ups von dem Programm profitiert. Einige bemerkenswerte Erwähnungen sind:

  • Coachwhisperer: Ein Startup, das eine Anwendungssoftware für Fußballtrainer entwickelt, wird vom 1. November 2020 bis zum 31. Oktober 2021 von EXIST an der Friedrich-Schiller-Universität Jena gefördert.
  • InContAlert: Dieses an der Universität Bayreuth entstandene Startup hat mit Hilfe von EXIST einen Sensor entwickelt, der Personen mit Inkontinenz oder Blasenfunktionsstörungen über den Füllungszustand ihrer Blase über ein mobiles Gerät informiert.
  • Colipi: Das aus einer Arbeitsgruppe an der Technischen Universität Hamburg hervorgegangene Startup-Unternehmen sicherte sich satte 4,1 Millionen Euro an EXIST-Mitteln, um eine nachhaltige Palmöl-Alternative zu entwickeln.
  • eversyn: Diese Ausgründung aus der Abteilung Bioverfahrenstechnik des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg erhielt 2022 im Rahmen des EXIST-Forschungstransferprogramms 900.000 € für die Entwicklung von Nukleotidzuckern und Oligosacchariden.

Fazit

Das EXIST-Programm ist ein Beleg für Deutschlands Engagement, Innovationen zu fördern, die Kluft zwischen Wissenschaft und Industrie zu überbrücken und dafür zu sorgen, dass wissenschaftliche Durchbrüche nicht nur in Fachzeitschriften bleiben, sondern ihren Weg in praktische, marktreife Lösungen finden. Mit seinen weitreichenden Unterstützungsstrukturen und klaren Zielen setzt EXIST zweifellos einen Maßstab, an dem sich andere Länder orientieren können.

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